Schwangerschaft und Abnehmen

Der Ratgeber

Postnatale Depression und richtige Ernährung

Wenn es im Wochenbett nicht ganz so gut läuft, der sogenannte Baby Blues sich zu einer echten Depression entwickelt und die Tage einfach nur noch trübe aussehen, ist professionelle Hilfe nötig. Professionelle Hilfe heißt aber auch, dass Du Deine Ernährung auf die Depression abstimmen musst. Mit der richtigen Nährstoffmischung kommst Du schneller aus dem Tief wieder heraus. Eine Diät wäre jetzt kontraproduktiv.

Kein einfacher Baby Blues: Postnatale Depression hat ernsthafte Symptome

Es ist ganz normal, wenn Du etwa für Tage nach der Geburt etwas empfindlich bist, nah am Wasser gebaut und Dich nicht gut fühlst. Der sogenannte Baby Blues wird von der hormonellen Umstellung nach der Geburt verursacht. Die Belastung, die mit dem Alltag mit Baby einhergeht, macht das Ganze noch etwas unangenehmer. Partner und andere Familienmitglieder sind in der Situation auch keine große Hilfe, sie wissen meist nicht, wie sie mit den seltsamen Launen der Mutter umgehen sollen. Diese Verstimmungen halten in der Regel nur wenige Tage an, bevor sich der Alltag einschleicht. Mit einer echten postnatalen Depression haben diese Tage nicht viel zu tun. Wenn sich der Hormonhaushalt auf einen normalen Stand eingependelt hat und der Körper sich an die neue Situation gewöhnt hat, steigt auch die Lauen von ganz alleine wieder. Medikamente, bestimmte Ernährungsformen oder ärztliche Intervention sind normalerweise nicht nötig.

Eine postnatale Depression ist sehr viel schwerwiegender. Zuerst eimal stellt sich die Depression nicht zwangsläufig direkt nach der Geburt ein. Es kann Tage, Wochen oder gar Monate dauern, bis sich die Depression bemerkbar macht. Sie kann sich aus dem Baby Blues heraus entwickeln, kann aber auch völlig unabhängig davon sehr viel später erst auftreten. Und sie beginnt immer schleichend. Auch Mütter, die an einer postnatalen Depression leiden, genießen den Alltag mit ihrem Kind eine Zeitlang, sind völlig unbeschwert und lassen sich voll und ganz auf das neue Familienmitglied ein. Aber schleichend, ganz langsam, entwickeln sie negative Gefühle. Sie sind gereizt und launisch, schnell überfordert, müde. Kopfschmerzen kommen dazu. Schlafstörungen machen den Alltag schwer. Ein Druckgefühl auf Brust und Rücken kann dazukommen. Die Symptome entwickeln sich so langsam, dass Du sie anfangs vermutlich gar nicht bemerkst oder ihnen keine Bedeutung beimisst. Und bei jeder Frau entwickelt sich die Depression anders. Während manche Frauen einfach nur wenig Spaß an der Mutterrolle finden, geht die Depression bei anderen bis hin zu Suizidgedanken. Weil die Symptome so unterschiedlich ausfallen und anfangs gar nicht stark ausgeprägt sind, werden viele postnatale Depressionen erst zu spät erkannt. Es ist wichtig, dass Du bei jedem Verdacht, dass Du an einer postnatalen Depression leidest, sofort professionelle Hilfe suchst!

Diese Symptome deuten auf eine postnatale Depression hin

  • Du bist sehr gereizt und reagierst extrem, selbst bei Kleinigkeiten. D lässt den ganzen Frust an Deiner Familie und dem Kind aus.
  • Du fühlst Dich die ganze Zeit über weinerlich und elend. Zu manchen Tageszeiten ist das Gefühl stärker als zu anderen.
  • Du hast Kopfschmerzen, Dir ist manchmal schwindelig.
  • Du hast mehr Angst als früher, manchmal vielleicht sogar Panikattacken.
  • Du fühlst Dich innerlich leer und leidest unter starken Selbstzweifeln. Die Schuld für alles, was nicht perfekt läuft, suchst Du nur bei Dir selbst.
  • Du bist zwar erschöpft, findest aber nachts trotzdem keine Schlaf.
  • Du hast Konzentrationsprobleme. Und Du bist extrem vergesslich.
  • Dir kommt das Gefühl der Verbundenheit gegenüber Deinem Kind abhanden, und es fühlt sich bisweilen so an, als würdest Du ein fremdes Kind pflegen.
  • Du machst Dir extrem viel Sorgen um Dich und Dein Kind und brauchst immer wieder die Bestätigung von Ärzten und/oder andere Fachleuten, dass alles in Ordnung ist.
  • Dein früherer Humor ist Dir abhanden gekommen. Nicht nur für ein oder zwei Tage, sondern dauerhaft.
  • Dein Sexualtrieb lässt nach.
  • Du fühlst Dich unfähig, Entscheidungen zu treffen.
  • Du leidest unter Appetitlosigkeit oder Fressattacken.

Die Ernährung spielt eine Rolle

Eine postnatale Depression muss von einem Arzt oder einer Ärztin diagnostiziert werden. Du brachst keine Angst zu haben, dass Du Medikamente nehmen musst, die Deinem Kind schaden würden. Im Gegenteil: Die Behandlung kann ganz ohne Antidepressive stattfinden. Und selbst dann, wenn Du Dich für den Einsatz dieser Medikamente entscheidest, wird Dein Arzt oder Deine Ärztin darauf achten, dass die Präparate Dir und Deinem Kind nicht schaden. Es gibt durchaus Präparate, die Du auch während der Stillzeit einnehmen kannst. Die Einnahme wird wenigstens sechs Monate dauern, aber unter Einfluss der Medikamente kannst Du ein ganz normales Leben führen. Das Wichtigste in der Therapie ist aber Geduld. Denn eine postnatale Depression kommt nicht nur schleichend und langsam, sonder sie ebbt auch genauso wieder ab. Es ist also wichtig, dass Du die Dosierung exakt einhält und die Medikamente wirklich lang genug nimmst. Sie können sonst nicht wirken.

Alternativ dazu können homöopathische Präparate oder eine Bachblütentherapie wirksam sein. Begleitend sollte auf jeden Fall eine Psychotherapie gemacht werden. Diese Gesprächstherapie baut zuerst einmal darauf auf, dass der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin im Umgang mit Depressionen geschult ist. Das Gespräch wird Dir vermutlich zuallererst den Eindruck vermitteln, dass Du okay bist. Dass die Depression nicht Deine Schuld ist. Und dass Du sie überwinden kannst. Behandelnde Therapeuten führen Dich so durch das Gespräch, dass Du langsam zu dieser Erkenntnis geführt wirst und damit die Selbstheilung eingeleitet werden kann. Du wirst außerdem nicht um eine gesunde Ernährung herumkommen. Unterstützend zur Therapie hat es sich bewährt, eine kohlenhydratreiche Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse zu genießen.

Gegenprogramm zu Stress und Elend: Das Genießen

Die Wortwahl deutet es schon an: Das Genießen steht im Mittelpunkt. Wenn Du unter einer postnatalen Depression leidest, musst Du lernen, Dich bewusst zu entspannen. ob Du das über einen längeren Zeitraum tust, oder ob Du lieber mehrmals am Tag über eine kurze Zeit Entspannung suchst, ist dabei situationsabhängig. Du wirst im Rahmen der Therapie lernen, den Umgang mit Deinem Kind zu genießen, aber auch viel Zeit für Dich selbst schaffst. Du musst Dich bewusst mit der Ernährung auseinandersetzen. Und es hilft Dir, Deine Mahlzeiten bewusst und sorgfältig zuzubereiten. Die Freude am Essen spielt bei einer postnatalen Depression eine große Rolle, denn nur in der Wertschätzung der ausgewogenen und frischen Mahlzeiten kannst Du gegen Appetitlosigkeit oder Fressattacken ankommen. Und aus diesem Grund darfst Du gerade in dieser Situation auch keine Diät machen: Du musst erst lernen, Dich und Deinen Körper, Deinen Alltag und Deine familiäre Situation anzunehmen und Dich darin wohl zu fühlen. Alles andere muss warten.

Genaue Ursachen sind nicht geklärt, aber Risikofaktoren sind bekannt

Die genauen Mechanismen, die eine postnatale Depression hervorrufen, sind noch nicht bekannt. Es scheint aber so, als würden vor allem die hormonellen Veränderungen, die mit der Geburt und der Stillzeit einhergehen, Einfluss auf die Hirnstrukturen haben. Irgendetwas im Stoffwechsel des Denkorgans ändert sich bei Frauen, die an einer postnatalen Depression erkranken. Dabei wurden bestimmte Regelmäßigkeit festgestellt. Es scheint, Frauen, die bereits schon einmal an einer Angststörung oder Depression erkrankt sind, haben ein höheres Risiko, auch eine postnatale Depression zu entwickeln. Das gilt auch für Frauen, die nach einer früheren Geburt bereits eine solche Störung entwickelt haben.

Ein anderes Thema ist der frühe Verlust der eigenen Mutter. Auch das gilt als Risikofaktor, eine postnatale Depression zu entwickeln. Wenn Du keinen Partner hast, der Dich unterstützt, oder von Deiner Familie wenig Unterstützung erhält, kann auch das das Risiko erhöhen. Vor allem dann, wenn Dein Kind in der Familie nicht wirklich angenommen wird. Auch eine Frühgeburt kann eine postnatale Depression begünstigen. Finanzielle Schwierigkeiten, Obdachlosigkeit oder drohende Obdachlosigkeit, eine unklare Wohnsituation und Turbulenen wie der Verlust der Arbeitsstelle oder des Partners gelten als weitere Risikofaktoren. In der Regel gibt es nicht den einen Grund, sondern verschiedene der beschriebenen Faktoren kommen zusammen und können gemeinsam ihre zermürbende Wirkung entfalten.

Stark fetthaltige Ernährung und Übergewicht können eine postnatale Depression begünstigen

Und nun haben Forscher der Universität Regensburg einen weiteren Risikofaktor identifiziert. Es scheint, dass eine sehr fetthaltige Ernährung während der Schwangerschaft, die mit starkem Übergewicht einhergeht, die Entwicklung einer postnatalen Depression begünstigt. Allerdings kann das Risiko durch eine Diät nach der Entbindung nicht gemindert werden. Eingeschränkte Ernährung und starke Reglementierung scheinen eher ungünstig. Vielmehr sollte vorbeugend während der Schwangerschaft auf eine gleichmäßige und nicht zu heftige Gewichtszunahme geachtet werden. die Ernährung während der Schwangerschaft ist im Idealfall nicht zu fetthaltig, beinhaltet viel frisches Obst und Gemüse, aber auch einen gesunden Anteil an Kohlenhydraten. Eine insgesamt ausgewogene Ernährung, die sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrungsmittel beinhaltet, Fisch und Molkereiprodukte einbezieht, wird allgemein empfohlen.

Wie kamen die Forscher darauf? Nagetieren wurde während der Trächtigkeitsphase ausschließlich stark fetthaltiges Futter vorgesetzt. Die Tiere entwickelten nicht nur eine krankhafte Gewichtszunahme, sondern wurden insgesamt auch ängstlicher, waren weniger stressresistent und nicht so belastbar wie die Tiere der Vergleichsgruppe. Sie zeigten also, soweit feststellbar (kein Nagetier klagt über Kopfschmerzen), die gleichen Symptome, die Frauen bei einer postnatalen Depression quälen. Außerdem konnten die Forscher die Veränderungen im Bereich der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse molekulare Veränderungen feststellen. Das ist die Region im Gehirn, die für die Bewältigung von Stress zuständig ist.

Ganz konkret: Regelmäßige, kleine Mahlzeiten sind wichtig

Du kannst Dir selbst helfen, indem Du auch bei Appetitlosigkeit regelmäßig kleine, aber kohlenhdratreiche Mahlzeiten zu Dir nimmst. Vergiss das Frühstück nicht! Cerealien, Brot, Müsli, Bananen sind jetzt besonders wichtig. Die Kohlenhydrate geben Dir Energie für den Tag. Sie wirken sofort leicht stimmungsaufhellend. Nudeln, Reis und Gemüse sind ebenfalls gut. Vollkornprodukte sind insgesamt hochwertiger und lassen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen, halten ihn aber recht lange auf hohem Niveau, bevor er wieder langsam abfällt. Sieht das Essen zudem noch nett aus, ist bunt auf dem Teller und ansprechend angerichtet, kannst Du Dir damit selbst Appetit machen. Eiweiß nicht vergessen! Milchprodukte, Eier, eher mageres Fleisch sowie Fisch und Nüsse enthalten viel davon. Für die Milchbildung und das Wachstum Deines Kindes sind Eiweiße wichtig. Deine Ernährung sollte abwechslungsreich sein. Das dient nicht nur einer zuverlässigen Nährstoffzufuhr, sondern macht durch vielfältigen Formen, Farben, Gerüche und Geschmacksnuancen auch gute Laune.

Süßigkeiten sind übrigens nicht verboten. Wenn Du Schokolade, Nüsse oder Trockenobst magst, darfst Du zugreifen. Allerdings solltest Du im Gedächtnis behalten, dass das alles Naschwerk ist – wirklich gegessen werden aber die richtigen Mahlzeiten. Also bitte nicht den ganzen Tag einfach nur so vor Dich hin naschen. Koffein solltest Du dagegen vermeiden, denn auch das lässt den Kreislauf kurzfristig hochschnellen, um ihn anschließend abrupt absacken zu lassen. In der Kombination mit Zucker und Milch ist auch der Blutzuckerspiegel davon betroffen.

Du solltest zwischen den Mahlzeiten keine allzu langen Pausen lassen. Denn dann schwankt Dein Blutzuckerspiegel sehr stark, und auch das wirkt sich eher negativ auf das Wohlbefinden aus. Optimal ist eine Mahlzeit alle drei Stunden, vor allem dann, wenn Du stillst. Viel trinken tut ebenfalls gut. Vor allem dann, wenn Du stillst, solltest Du auf ausreichend Flüssigkeit achten.

Gönn Dir Ruhe

Postnatale Depressionen sind eine Erkrankung. Damit Du heilen kannst, brauchst Du Ruhe und Zeit für Dich selbst. Gönn Dir das. Mach ab und zu ein Nickerchen, wenn Du Zeit dafür hast. Hör Deine Lieblingsmusik, entspann Dich bei einer heißen Tasse Tee, Kuschel Dich auch mal alleine in Dein Bett. Und vor allem: Lass Dich verwöhnen. Wenn Dein Partner Dir das Essen ans Bett bringen will – lass ihn. Er meint es gut. Und es ist wirklich nicht Deine Aufgabe, den ganzen Haushalt zu schmeißen. Du darfst Dich unterstützen lassen. Allerdings solltest Du trotz aller Ruhe und Entspannung nicht den ganzen tag im Haus rumhängen. Regelmäßige, moderate Bewegung, insbesondere an der frischen Luft, tut Dir gut. Ein Spaziergang mit Deinem Kind zum Beispiel. Nimm es im Kinderwagen oder im Tragetuch mit, dann könnt Ihr diese Zeit auch gemeinsam genießen. Yoga oder Pilates sind ebenfalls gut geeignet, um auf andere Gedanken zu kommen, sich zu bewegen und dabei vielleicht sogar weitere Mütter zu treffen.

Bitte keine Diät machen!

Klar, Du sollst Dich um Dich selbst kümmern und lernen, Dich und Deinen Körper wieder gern zu haben. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn Du unter einer postnatalen Depression leidest. Aber eine Diät ist jetzt wirklich nicht angemessen. Die geht mit Verzicht und Selbstvorwürfen einher, während einer Depression also genau das Falsche. Du kannst Dich bewusst ernähren und moderaten Sport treiben. Lass Dich dabei von Deinem Arzt oder Deiner Ärztin beraten. Vielleicht könnt Ihr zusammen ein Konzept erarbeiten, dass Dir eine langsame, sanfte Umformung Deines Körpers ermöglicht, ohne Dir die wichtigen Kohlenhydrate vorzuenthalten oder Dich anderweitig unter Druck zu setzen.

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