Schwangerschaft und Abnehmen

Der Ratgeber

Nahrungsergänzungsmittel in der Schwangerschaft? Sinnvoll?

Nahrungsergänzungsmittel für die Schwangerschaft

Du bist beim Frauenarzt und betrachtest eben noch mehr oder weniger verzückt das Ultraschallbild, und schon bekommst Du ein Rezept für Vitamine und Mineralstoffe in die Hand gedrückt. Darauf: Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere, die Du Dir in der Apotheke besorgen sollst. Es geht um Folsäure, Kalzium und Vitamin D, um die Vitamine des B-Komplexes und immer wieder um Eisen. Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere?

Erhöhter Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft

Schwangere sollten auf keinen Fall für zwei essen, Du benötigst nicht mehr Kalorien als sonst. Das wird Dir vermutlich nicht nur Deine beste Freundin, sondern auch der Gynäkologe oder die Gynäkologin Deiner Wahl erzählen. Gleichzeitig tönt es von allen Seiten, dass Dein Baby während seiner Entwicklung Folsäure benötigt, dass Du auf Deinen Jobhaushalt achten musst und auf jeden Fall genug Eisen zu Dir nehmen musst.

Du brauchst Vitamine, damit sich Dein Kind gesund entwickeln kann.
Moment mal: Mehr Vitamine und Mineralstoffe, bei der gleichen Menge Nahrung? Geht das? Und schon bist Du in die Falle getappt: Wer sich Sorgen um sein Kind macht (und welche werdende Mutter macht das nicht), der kauft auch Sachen, von denen er oder sie normalerweise gar nicht überzeugt ist.

Genau damit machen findige Firmen gute Geschäfte.

Nahrungsergänzungsmittel gelten als Allheilmittel gegen fast alles, sie sollen vor Krankheiten schützen und Erkältungen vorbeugen, heilen und zu einer besseren Entwicklung führen. Schließlich nehmen Hochleistungssportler doch auch Vitaminpräparate ein, nicht?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nahrungsergänzungsmittel sind nicht vom Teufel persönlich erfunden, sondern haben durchaus ihre Berechtigung. Aber sie heißen Ergänzungsmittel, weil sie das Angebot an natürlichen Nahrungsmitteln ergänzen sollen. Sie sollen es nicht ersetzen!

Wenn Du Dich während der Schwangerschaft gesund und ausgewogen ernährst, viel selbst kochst und vor allem frische Nahrungsmittel zubereitest, wirst Du keine oder nur sehr ausgesuchte Nahrungsergänzungsmittel benötigen. Und davon kannst Du auch Deine betreuende Ärztin oder den Arzt überzeugen. Immerhin bieten die meisten gynäkologischen Praxen eine Ernährungsberatung für Schwangere an, in deren Rahmen Du Deine Ernährung über mehrere Tage oder sogar ein paar Wochen einfach dokumentierst und diese Tabelle dann mit dem Arzt oder der Ärztin gemeinsam besprichst.
Auf dieser Grundlage der Ernährungsanalyse lässt sich im Gespräch (genannt Anamnese) recht schnell feststellen, ob Du wirklich Nahrungsergänzungsmittel benötigst.

Denn soviel ist sicher: Dein Kind benötigt auch Nährstoffe, nicht nur Du. Und während der Schwangerschaft baut Dein Körper ganz mächtig um, um den kleinen Menschen in Deinem Bauch optimal zu versorgen. Das bedeutet nichts anderes als dass Dein eigener Närhstoffbedarf auch leicht erhöht ist. Aber eben nur leicht. Und auch nicht während der gesamten Schwangerschaft.

Versteckte Nahrungsergänzungsmittel im Alltag

Viele Menschen machen sich über Ihren Nährstoffbedarf recht wenig Gedanken. Da die Ernährungslage in Europa insgesamt gut ist, fällt das auch nicht weiter auf. Es stehen immer ausreichend hochwertige Nahrungsmittel zur Verfügung, so dass Du wohl eher nicht unter Mangelerscheinungen leidest. Dazu kommt, dass aufgrund der Empfehlungen von verschiedenen Gesundheitsorganisationen in Deutschland Lebensmittel und Leitungswasser schon seit vielen Jahren mit Ergänzungsmitteln angereichert werden.

Vielleicht ist Dir das beim Einkaufen schon aufgefallen: Du hast die Wahl zwischen Salz, Jodsalz, fluoridiertem Salz und fluoridiertem Jodsalz. Seit einiger Zeit gibt es nun auch Salz in allen vier Ausführungen mit zugesetzter Folsäure. Manche Hersteller bringen den Hinweis recht groß auf der Packung an, andere verstecken die Zusätze im Kleingedruckten. Frühstückscerealien, Brot, Brötchen und Milchgetränke sind davon ebenfalls betroffen. Zugesetzt wird häufig auch Kalzium (bei Milch und Milchprodukten), Vitamin D (ebenfalls im Milchregal) und sämtliche Vitamine (Frühstücksflocken aller Art, Brote, Fertiggerichte).

Wenn Du nicht gerade aus frischen Zutaten täglich alle Mahlzeiten selbst zubereitest, nimmst Du über die Lebensmittel vermutlich ohnehin schon Nahrungsergänzungsmittel zu Dir.

Nicht in Panik ausbrechen: Solange Du das weißt, kannst Du Deine Ernährung entsprechend abstimmen und auf eine insgesamt sinnvolle Menge an Nährstoffen achten. Auf den meisten Lebensmittelpackungen ist nicht nur angegeben, was zugesetzt ist, sondern auch in welcher Menge und wieviel Prozent des Tagesbedarfs eines durchschnittlichen (nicht-schwangeren) Erwachsenen 100 g dieses Lebensmittels deckt. Du musst Dich nicht mit der Küchenwaage hinstellen und von Frühstücksflocken über Brotscheiben bis hin zur angereicherten Mortadella alles genau abwiegen. Für eine grobe Einschätzung reicht das, was Du auf der Packung liest.

Warum ist das alles so wichtig?

Nun, ganz einfach: Zu viel von an all den tollen Vitaminen und Mineralstoffen ist nicht gut für Deinen Körper. Im harmlosen Fall werden die im Chemielabor gebastelten Vitamine und Spurenelemente einfach ausgeschieden, im Extremfall greifen sie Deinen Körper an und können schaden. Zu viele Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Lebensmittel sind also gar nicht gut. Generell gilt, natürlich in Lebensmitteln vorkommende Nährstoffe sind hochwertiger und können vom Körper meist auch besser genutzt werden als das, was den Lebensmitteln künstlich zugesetzt wurde.
Klartext: Lieber eine halbe Grapefruit frisch essen als eine Brausetablette Vitamin C nehmen.

Ein paar Zahlen

28 % der Deutschen nehmen regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel irgendeiner Art ein, mit und ohne medizinische Indikation. Allein unter den schwangeren Frauen geben 97 % der Befragten an, Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen. Im Jahr 2010 zahlten die Deutschen insgesamt mehr als 900 Millionen Euro nur für Nahrungsergänzungsmittel. Kein Wunder, dass es so viele Hersteller gibt, die ein enorm breites Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln für jede Zielgruppe in jeder Altersstufe haben und jede nur denkbare Kombination an Vitaminen und Mineralstoffen in unterschiedlichen Dosierungen anbieten. Das ist einfach ein sehr, sehr großes Geschäft.

Studien der TU München mit 500 Schwangeren haben ergeben, dass die meisten Frauen dabei relativ wahllos Supplements, wie Nahrungsergänzungsmittel auch genannt werden, kaufen und einnehmen. Die Ursachen für diese wahllose Einnahme unterschiedlichster Präparate dürften vielschichtig sein: Einerseits suggeriert die Werbung, dass es ohne Ergänzungsmittel gar nicht geht. Andererseits sind da die Rezepte, ausgestellt von fürsorglichen Frauenärzten und Hausärzten und -ärztinnen, manchmal auch Hebammen. Und dann ist die Datenlage auch nicht ganz klar.

Isst Du so bewusst, dass Du genau weisst, welche Nährstoffe Dir eventuell fehlen könnten? Kaum eine Schwangere macht sich über ihre Ernährung so viele Gedanken, dass sie genau wüsste, welche Nährstoffe überhaupt benötigt werden. Und daran ist nicht nur das meist recht unbewusste Ernährungsverhalten schuld. Experten sind sich auch schlicht nicht einig, wie viel genau wer in welchem Alter wovon benötigt. Die Angaben schwanken daher immer zwischen einem Minimum, das als überlebenswichtig gilt, und einem Maximum, das als gerade so noch nicht schädlich gilt.

Da der Mensch ein Individuum ist, dürfte der tatsächliche Nährstoffbedarf bei allen irgendwo zwischen diesen Werten rangieren. Nennen Gesundheitsexperten dann den exakten Mittelwert, kommt das der Wahrheit zwar nahe, mehr aber auch nicht. Trotzdem dürfte es müßig sein, die Fachkompetenz Deiner ärztlichen Betreuung während der Schwangerschaft in Sachen Nahrungsergänzungsmittel ausdiskutieren zu wollen. Bei vielen Medizinern und Medizinerinnen gilt immer noch der Grundsatz: Mehr hilft mehr.

Fakten schaffen: Das benötigst Du für Dich und Dein Kind während der Schwangerschaft

Folsäure

Schwangere Frauen sollten täglich etwa 400 Mikrogramm Folsäure zu sich nehmen. Folsäure wird auch als Folat oder gelegentlich als Vitamin B9, Vitamin B11 oder Vitamin M bezeichnet. Von Natur aus kommt Folsäure in Hefen, Getreidekeimen und -kleien vor. Hülsenfrüchte, dunkelgrüne Blattgemüse, Eigelb und Petersilie sowie Gartenkresse und Sonnenblumenkerne enthalten ebenfalls große Mengen an Folsäure. Wenn Du also täglich ein Ei isst, ein kleie- oder keimhaltiges Brot mit Petersilie belegst und zwischendurch noch zwei Handvoll Sonnenblumenkerne knabberst, benötigst Du ganz sicher keine Folsäure in Tablettenform.

Orangen, Blattspinat, Rindfleisch und einige andere Lebensmittel enthalten ebenfalls Folsäure, aber nur in sehr niedriger Dosierung. Dein Kind benötigt vor allem in der dritten und vierten Schwangerschaftswoche viel Folsäure, um ein gesundes und vollständiges Nervensystem und eine vollständige Wirbelsäule ausbilden zu können.

Ein Mangel führt zu sehr schweren gesundheitlichen Schäden.

Daher ist Folsäure insbesondere am Anfang der Schwangerschaft durchaus wichtig. Es sind keine von einer Überdosierung verursachten Schäden bekannt, das heißt, Du kannst getrost das ärztlich verordnete Ergänzungsmittel nehmen, ohne Schäden zu befürchten. Es gibt Präparate, die niedrig dosiert sind – Du bist also nicht gezwungen, den gesamten Tagesbedarf per Tablette zu decken.

Jod

Ein Mangel an Jod kann schon in der frühen Phase der Schwangerschaft zu Fehlbildungen und Fehlgeburten führen. Normalerweise benötigst Du nicht so viel Jod, während der Schwangerschaft steigt Dein Bedarf aber auf etwa 200 Mikrogramm täglich.
Salzwasserfische, Meeresfrüchte, Algen und alle Arten von essbarem Seetang enthalten viel Jod. Tierische Produkte, die nicht aus dem Meer stammen enthalten dagegen nur sehr wenig Jod. Wenn Du Dich mediterran oder skandinavisch, japanisch oder karibisch ernährst, hast Du vermutlich ohnehin genug Jod.

Für alle anderen Menschen gilt: Kochen mit Meersalz (das enthält natürlicherweise Jod) oder jodiertem Speisesalz kann einem Jodmangel vorbeugen. Erst dann, wenn Du auf diese Art und Weise nicht Deinen täglichen Jodbedarf decken kannst, benötigst Du Nahrungsergänzungsmittel. Von einigen Fischarten reichen bereits 100 g aus, um den Tagesbedarf zu decken. Das wären beispielsweise zwei Scheiben Räucherfisch. Mehr nicht. Wenn Du generell Fisch, Meeresfrüchte und Meeresgemüse ablehnst, ist eine Ergänzung von 100 Mikrogramm Jod täglich durchaus sinnvoll.

Vitamin D

Vitamin D gilt als das Sonnenvitamin, weil der Körper es in der Haut unter Sonneneinstrahlung selbst bilden kann. Dummerweise ist es in Deutschland zwischen Oktober und März schlicht nicht hell und sonnig genug, um den Tagesbedarf von Erwachsenen zu decken. Dein Körper kann aber Vitamin D, das fettlöslich ist, einlagern. Und in einigen Nahrungsmitteln kommt das Vitamin auch vor. Fettige Fische wie Aal, Lachs und Hering enthalten hohe Mengen an Vitamin D, Hühnerei, Avocado und Champignons sind ebenfalls als Vitamin D-Lieferanten bekannt. Ein Mangel an Vitamin D führt zu Rachitis und anderen Erkrankungen. Du benötigst während der Schwangerschaft etwa 20 Mikrogramm Vitamin D täglich. Abhängig davon, wie lange Du Dich im Freien aufhält, wieviel Sonnenblocker und dunkle Kleidung Du trägst und ob es Sommer oder Winter ist, kann in Ausnahmefällen Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein.

Eisen

Vor allem ab der Mitte der Schwangerschaft wird in Deiner gynäkologischen Fachpraxis vermutlich hin und wieder ein Bluttest gemacht: Es geht um Deine Eisenwerte. Gegen Ende der Schwangerschaft steigt der Eisenbedarf etwas an. Wenn Du Dich aber nicht gerade streng vegetarisch oder vegan ernährst, ist das kein Problem. Rotes Fleisch enthält Eisen (Rind, Schwein, Ente, Gans et cetera). Aber auch in vielen grünen Blattgemüsen, in Hülsenfrüchten und Meeresfrüchten, Eigelb und Weizenkleie, Hirseflocken und Haferflocken kommt relativ viel Eisen vor.
Du benötigst in der Schwangerschaft bis zu 30 mg Eisen am Tag. Eisentabletten sind nur nötig, wenn bei Dir über den Bluttest ein Eisenmangel festgestellt wurde.

Magnesium

300 Milligramm Magnesium benötigst Du in etwa täglich, während der Schwangerschaft nur 10 Milligramm mehr. Magnesium kann Muskelkrämpfen vorbeugen, für einen leichteren, weicheren Stuhlgang sorgen (verhindert also unter Umständen Verstopfung) und den Blutdruck etwas niedriger halten. Bei vorzeitigen Wehen wird manchmal Magnesium in hohen Dosen verschrieben, weil sich ein Magnesiummangel in Muskelkrämpfen äußern kann. Generell nimmst Du vermutlich über Vollkornprodukte, Mineralwasser, Nüsse, Kerne und Kartoffeln, Bananen und Milchprodukte mehr als genug Magnesium zu Dir. Solange keine hinreichende medizinische Indikation besteht, Du also nicht unter einem offensichtlichen Magnesiummangel leidest, benötigst Du keine Nahrungsergänzungsmittel mit Magnesium.

Das ist schon alles!

Alle anderen Vitamine und Spurenelemente kannst Du bei einer normalen, ausgewogenen Ernährung vergessen: Du benötigst keine Supplements, solange eine ausführliche Untersuchung bei Deinem betreuenden Arzt oder der Ärztin keine Mangelerscheinungen aufzeigt. Auch Vegetarierinnen und Veganerinnen haben, solange sie sich nicht nur von Pudding und Ketchup ernähren, normalerweise keine Probleme mit Mangelerscheinungen.

Oft wird gesagt, dass die Vitamine des B-Komplexes sowie Eisen und Jod nur in Fleisch und Fisch vorkommen. Das ist so nicht richtig. Insbesondere Vollkornprodukte (kein mit Malz oder Zuckerkulör dunkel gefärbtes Brot, sondern wirkliche Vollkornprodukte) sowie Nüsse und Samen enthalten in der Regel ausreichende Mengen an den Nährstoffen. Milchprodukte und Hühnerei sind ebenfalls reichhaltig.

Wenn Du Dir trotzdem Sorgen machst, ob Du ausreichend Nährstoffe für Dich und Dein Kind zu Dir nimmst, greife bitte nicht einfach wahllos zu irgendwelchen Nahrungsergänzungsmitteln, sondern führe ein Ernährungstagebuch über eine Woche und besprich Dich mit Deinem betreuenden Arzt oder der Ärztin. Auch Hebammen können oft helfen, sie wissen recht gut, wie es um den Nährstoffbedarf von Schwangeren bestellt ist. Und im Zweifelsfall solltest Du Dir eher Rat bei medizinischem Fachpersonal als in der Werbung oder in Frauenzeitschriften holen. Denn manche Nährstoffe können in der Überdosierung unangenehme Nebenwirkungen haben. Eisen beispielsweise kann in der Leber angereichert werden und zu Organschäden führen, begünstigt die Entstehung verschiedener Erkrankungen und wird gar nicht in so hoher Menge benötigt, wie es in den Nahrungsergänzungsmitteln mit Eisen enthalten ist.

Weitere Informationen:

http://www.verbraucherzentrale-bawue.de/nahrungsergaenzungsmittel-fuer-schwangere
http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=99574&bernr=06
http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_news_652_1_977_viele-nahrungserg-nzungs-mittel-f-r-schwangere-sind-mangelhaft-auswahl-mit-arzt-abstimmen.html

One Comment

  1. Hallo Mareike!
    Toller Artikel zu den Nahrungsergänzungen.
    Ich befasse mich aktuell ebenfalls mit dem Thema, jedoch für die Vorbereitung zur Schwangerschaft.
    Könnte viele Tipps und Anregungen von deinem Beitrag sammeln.

    Mach weiter so!
    Lieben Gruß
    Kathi

Schreibe einen Kommentar

Required fields are marked *.