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Kaiserschnitt und Sport?

Kaiserschnitt und Sport? / Kaiserschnitt © VRD/fotolia.de

Nach der Entbindung durch einen Kaiserschnitt sind viele Frauen unsicher. Der operative Eingriff verringert die Mobilität drastisch, verglichen mit einer natürlichen Geburt. Woran liegt das und wie sieht’s mit Sport und Bewegung nach einem Kaiserschnitt aus?

Woher kommt der Kaiserschnitt?

Legenden nach habe der Kaiserschnitt seinen Ursprung bei Julius Cäsar, dessen Wichtigkeit durch das Gerücht über einen Schnitt aus der Mutter, erhöht wurde. Dies ist jedoch nicht möglich, da die damaligen medizinischen Kenntnisse nicht ausreichten, um einen Kaiserschnitt durchzuführen, bei dem Mutter und Kind überlebten.
Daher kann nicht genau gesagt werden, seit wann Kaiserschnitte praktiziert wurden, aber bei Cäsar liegt der namensgebende Ursprung (caedere= lat. schneiden). Bis ins 15. Jahrhundert wurde das Baby nur aus dem Bauch geschnitten, wenn die Mutter bei der Geburt verstorben ist. Der erste, überlieferte, erfolgreiche Kaiserschnitt, bei dem Baby und Mutter überlebten, wurde 1500 n. Chr. festgehalten. Jacob Nufer war als Schweinekastrierer beruflich tätig und führte einen Kaiserschnitt an seiner Frau durch. Die Gebärmutter nähte er anschließend zu und seine kleine Familie überlebte.

Moderner Kaiserschnitt erhöhte die Überlebensrate von Mutter und Kind

1881 führte Ferdinand Adolf Kehrer den ersten Kaiserschnitt durch, der recht modern war. Der deutsche Gynäkologe schnitt die Bauchdecke quer auf und nähte nach dem Eingriff die Gebärmutter mit dem Bauchfellüberzug zu. Diese Technik senkte das Sterberisiko durch einen Kaiserschnitt der Mutter auf 1 %. Davor lag die Quote bei knapp 50 %, da Frauen häufig an Infektionen erkrankten oder verbluteten. Diese Grundtechnik beim Durchführen des Kaiserschnittes blieb bis heute beibehalten.

Kaiserschnitt auf Wunsch


Zunehmend mehr Frauen
erkundigen sich nach einem Wunschkaiserschnitt. Bei diesem werden im Vorfeld Tag der Geburt und Ablauf festgelegt. Je nach Klinik verändern sich der Ablauf und die Vorbereitung. Manche Kliniken führen einen Wunschkaiserschnitt durch an einem festen Datum, andere warten, bis die natürlichen Wehen starten. In einigen Krankenhäusern wird ein Wunschkaiserschnitt nach Einleitung künstlicher Wehen eingeleitet. Die Gründe für einen Wunschkaiserschnitt sind meistens körperliche Bedenken oder mangelnde psychische Verfassung zur natürlichen Geburt.

In den Medien scheint ein Kaiserschnitt nach Wunschtermin im Trend zu liegen bei Prominenten. Die Meldungen über geplante Eingriffe haben sich in den letzten Jahren vermehrt, sodass Wunschkaiserschnitte populär und harmlos erscheinen. Ist der Kaiserschnitt wirklich so harmlos und besser als eine natürliche Geburt?

Ganz klar: Nein.

Auf den ersten Blick wirkt der Eingriff leicht und angenehmer als eine natürliche Geburt. Doch dies trifft nicht zu. Eine normal verlaufende Geburt ist vielleicht anstrengender, allerdings für Mutter und Baby gesünder.
Weiterhin erholt sich der Körper von einer natürlichen Geburt wesentlich schneller und Babys leiden seltener an Anpassungsstörungen. Auch wenn ein Kaiserschnitt mittlerweile sehr sicher ist, so liegt die Sterberate bei einer Geburt durch Kaiserschnitt drei Mal höher als bei einer natürlichen Geburt. Aktuell ist die Medizin so weit fortgeschritten, dass 0,05 % der Kaiserschnittentbindungen für die Mutter tödlich enden. Dies ist sehr selten, allerdings häufiger als bei einer normalen Geburt.

Notfallhilfe bei der Geburt: Notkaiserschnitt

Der Notkaiserschnitt rettet Leben. Im Idealfall von Baby und Mutter. Vor einigen Jahrhunderten war die Medizin nicht so weit, Risikofaktoren bei einer Geburt rechtzeitig zu erkennen. Bis ins 19. Jahrhundert lag die Sterberate der Gebärenden nach einem Kaiserschnitt bei 50 %. In der heutigen Zeit sind schwerwiegende Komplikationen bei einem Notkaiserschnitt sehr selten und gelten als sichere Möglichkeit einer Geburt. Treten bei der natürlichen Geburt Komplikationen auf, reagieren Ärzte sehr schnell. Ehe sich die Mutter versieht, wird sie in den OP geschoben und betäubt. Damit werdende Mütter die Geburt ihres kleinen Säuglings nicht verpassen bei einem Kaiserschnitt, betäuben Ärzte lediglich lokal und verzichten auf eine Vollnarkose. Dies ist zudem risikoärmer. Jede Operation birgt Risiken und sollte vermieden werden. Der Notkaiserschnitt rettet Leben, wenn die Herztöne kritisch werden des Ungeborenen, die Nabelschnur sich um den Hals wickelt, das Baby falschrum liegt oder die Geburt zu lange dauert.

Sanfter Kaiserschnitt

Beim sanften Kaiserschnitt erfolgt die Geburtshilfe durch Reißen und Dehnen, nicht durch Schneiden. Diese Technik ist unter dem Namen Misgav-Ladach-Kaiserschnitt bekannt und hat ihren Ursprung 1994 in Jerusalem. Die oberste Hautschicht wird durchgeschnitten und darunterliegendes Gewebe wird auseinandergezogen. Dadurch ist die Wunde nicht so groß wie beim herkömmlichen Kaiserschnitt, aber im Grunde dasselbe wie bei einem normalen Kaiserschnitt. Die Bezeichnung „sanfter Kaiserschnitt“ wirkt irreführend: Jede Operation birgt Risiken und bei dieser Methode werden sämtliche Schichten der Bauchdecke getrennt. Bei einem normalen Kaiserschnitt bleiben die meisten Frauen eine knappe Woche im Krankenhaus, bei der Misgav-Ladach-Methode durchschnittlich vier Tage.

Belastbarkeit nach einem Kaiserschnitt

Die Belastbarkeit der Mutter nach einem Kaiserschnitt ist nicht hoch. Hast du einen Kaiserschnitt hinter dir, solltest du so früh wie möglich anfangen, dich zu bewegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Blutgerinnsel entstehen, sinkt, wenn du dich bereits zwei Stunden nach der Operation auf die Bettkante setzt und nach spätestens sechs Stunden mit Hilfe zur Toilette gehst.

Nach etwa einer Woche kannst du dich normal bewegen und dein Bauchschnitt ist oberflächlich verheilt. Bis du dich komplett bewegen kannst und an Sport denken kannst, vergehen ungefähr sechs Wochen. Deine Belastbarkeit steigt mit den Bedürfnissen deines Säuglings. Du kannst nach einem Kaiserschnitt normal stillen oder dein Baby tragen und mit deinem kleinen Wunder kuscheln. Vermeide jedoch alle Tätigkeiten, die eine Belastung für den Bauch darstellen.

Wieviel Bewegung direkt nach der Operation?

Direkt nach der Operation solltest du liegen bleiben. In den ersten Tagen bist du damit ausgelastet, aufzustehen und den Weg zur Toilette zu meistern. Motivierend sind Strecken zur Säuglingsstation oder ins Krankenhauscafé. Du kannst täglich deine Belastung steigern. Dein Körper gibt eindeutige Warnsignale, wenn du dich übernimmst. Wichtig ist, dass du nicht tagelang nach einem Kaiserschnitt im Bett liegst und dich nicht bewegst. Dadurch erhöhst du das Risiko zu Komplikationen nach diesem Eingriff und verzögerst deine Regeneration. Die normale Belastbarkeit des Alltags kannst du nach knappen drei Wochen wiederherstellen. Zusätzlichen Sport solltest du vermeiden.

Rückbildungsgymnastik bei Kaiserschnitt?

Viele Frauen benötigen keine Rückbildungsgymnastik für den Beckenboden, wenn sie über einen Kaiserschnitt entbunden haben. Allerdings muss sich der Körper trotzdem zurückbilden. Die Rückbildungsgymnastik nach einem Kaiserschnitt kannst du starten, wenn die Hautschichten der Bauchdecke fest miteinander verwachsen sind.

Sieht die oberflächliche Naht gut aus, bedeutet das nicht, dass die unterste Hautschicht ebenfalls schon verheilt ist.

Zudem treten bei einigen Frauen Narbenschmerzen nach einer Geburt mit Kaiserschnitt auf. Besprech dich im Zweifelsfall mit deiner Hebamme oder deinem Gynäkologen, wann du konkret mit der Rückbildungsgymnastik starten kannst. Physiotherapeuten verfügen meistens über eine Zusatzqualifikation für Mütter, die operativ entbunden haben. Bei den Übungen werden oft Massagegriffe angewendet, die eine Rückbildung begünstigen. Möchtest du an einem Kurs für Rückbildungsgymnastik teilnehmen, kannst du ungefähr nach sechs Wochen damit beginnen. Allerdings lässt du Übungen aus, die eine Belastung für deinen Bauch darstellen, die ihre Ursache beim Kaiserschnitt haben.

Bauchtraining bei Kaiserschnitt

Bauchtraining nach dem Kaiserschnitt ist erst mal absolut tabu. Dein Bauch benötigt Zeit und Unterstützung bei der Wundheilung. Auch wenn du in den ersten Tagen nur ein leichtes Ziehen verspürst an deiner Bauchnarbe, so läuft dein Körper auf Hochleistung, die Gewebsverletzung zu heilen.

Wurde die „sanfte“ Technik angewendet, geht der Heilprozess etwas schneller und lediglich die obere Hautschnitt wurde genäht. Dennoch braucht die Verheilung des Bauchschnittes Zeit. Besonders in der ersten Woche solltest du auf keinen Fall deinen Bauch belasten. Die erste Hautschicht wächst nach einigen Tagen oberflächlich zusammen und sollte nicht durch Bauchtraining belastet werden.

Das Gefühl des leeren Bauches ist für viele Gebärende nach der Schwangerschaft unangenehm und sie möchten sofort mit Bauchmuskeltraining durchstarten. Dies ist gefährlich, wenn die Narbe nicht verheilt ist und die Haut- und Gewebeschichten des Kaiserschnittes zusammengewachsen sind. Kannst du dich weitestgehend normal belasten und bist schmerzfrei, solltest du fürs Erste mit Ausdauersport anfangen und Bauchtraining später dazunehmen.

Ein grober Richtwert für Bauchmuskeltraining nach einem Kaiserschnitt, liegt bei knapp drei Monaten. Bauchmassagen, die von Fachpersonal durchgeführt werden, belasten den Unterleib hingegen nicht. Die Rückbildung der Gebärmutter, der Wochenfluss und die Darmtätigkeit werden durch eine Massage positiv angeregt.

Ausdauersport nach Kaiserschnitt

Ausdauersport kannst du nach einem Kaiserschnitt starten, sobald du dich fit genug dafür fühlst. Allerdings sollte dein Trainingsziel nicht sofort ein Marathon sein oder eine Deutschlandtour auf dem Fahrrad. Sobald du kleinere Fußwege zum Bad oder durch die Wohnung bewerkstelligen kannst, steigerst du die Laufstrecken nach und nach. Wichtig ist, dass du nicht direkt mit dem Joggen anfängst.

Starte mit längeren Spaziergängen als Ziel und Walking. Nach 7 – 8 Wochen kannst du deine Belastungsgrenze steigern. Beim Ausdauersport solltest du darauf achten, dass du keine Sturzgefahr in den ersten Wochen eingehst. Inliner fahren ist im ersten Monat nach einer Entbindung via Sectio keine gute Idee. Stürzt du mit einer höheren Geschwindigkeit, gefährdest du deine Gesundheit und die Wundheilung.

Belaste dich auf keinen Fall zu früh nach der Entbindung mit Kaiserschnitt

Womöglich gehörst du zu den Frauen, die nach der Geburt sofort mit einem Fitnessprogramm durchstarten würden. Ob du natürlich oder operativ entbunden hast:

Dein Körper benötigt Zeit, sich wieder umzustellen.

Du hast ein Wunder vollbracht und ein Leben geboren. Dein Körper hat einen längeren Zeitraum auf Hochbetrieb gearbeitet und stellt sich nach der Geburt langsam um. Gönn deinem Körper eine Pause.

Hast du einen Kaiserschnitt hinter dir, musst du die Wundheilung berücksichtigen. Zu der körperlichen Belastung durch Schwangerschaft und Geburt, spielen die Narbenheilung und das Zusammenwachsen der Bauchschichten eine wichtige Rolle. Versuche, schnellstmöglich wieder alltagsfähig zu werden durch eine langsame Steigerung der körperlichen Belastung nach der Geburt.

Bemerkst du anhaltende Schmerzen oder dass deine Schmerzen stärker werden, statt weniger, suche sofort einen Arzt auf. Das Infektionsrisiko nach einem Kaiserschnitt ist zwar in der heutigen Zeit sehr gering, aber vorhanden. Belastest du dich zu früh und gibst deinem Körper nicht die benötigte Zeit zur Wundheilung, riskierst du Folgekomplikationen.

Du hast während der Schwangerschaft gelernt, dass dein Körper zu Hochleistungen fähig ist. Das Heranwachsen eines Säuglings im Bauch ist eine wunderbare Erfahrung für eine Frau. Gib dir die Zeit und Ruhe, die du benötigst, um dich von der Geburt zu erholen. Du kannst nach einer vollständigen Narbenheilung alle Sportarten der Welt betreiben. Bis dahin sei gut zu dir selbst und vermeide übermäßige Belastungen.

Weitere Informationen:

http://www.rund-ums-baby.de/hebamme/Ab-wann-Sport-nach-Kaiserschnitt_104723.htm
http://www.eltern.de/foren/mein-baby-da-jetzt/442978-sport-nach-kaiserschnitt-was-sagen-eure-aerzte-dazu.html
https://www.swissmom.ch/geburt/wochenbett/werden-sie-wieder-fit/sport-nach-kaiserschnitt/

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